Als ich ein Kind und Teenie war, habe ich es geliebt zu lesen. Ich konnte mich stundenlang hinter einem Buch verkriechen und in fremde, spannende Welten eintauchen. Gemeinsam mit Winnetou und Old Shatterhand ritt ich durch den Wilden Westen von einem Abenteuer zum nächsten. Mit Robin Hood streifte ich durch die englischen Wälder. Mit Tom Sawyer und Huckleberry Finn war ich auf dem Mississippi unterwegs. Dann kamen Biografien hinzu. Ich las von Menno Simons, Eric Liddell, Georg Müller und anderen.
Als Jugendlicher bekamen die Bücher jedoch Konkurrenz. Ihre übermächtigen Gegner hießen „FIFA“ und „Need for Speed“. Es war immer leichter, ein Computerspiel zu spielen statt zu lesen. Das Buch nahm ich zur Hand, wenn meine Zeit am PC „abgelaufen“ war. Noch ein paar Jahre später hatte ich an der Uni dann mein erstes Smartphone und die Welt des App-Stores lag mir zu Füßen. In dieser Zeit habe ich nie aufgehört zu lesen, jedoch musste ich immer mehr darum kämpfen und mich disziplinieren.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen ein ähnliches Bild: Seit Jahren wird die Zeit, die wir Deutschen täglich mit Lesen verbringen, kontinuierlich weniger. Nach einer Erhebung von 2022 lesen wir durchschnittlich 27 Minuten am Tag. Dass dieser Wert überhaupt so „hoch“ ist, liegt an der Altersgruppe 65+, die im Schnitt 54 Minuten am Tag mit einem Buch verbringen. Die Erwachsenen von 18 bis 44 Jahren dagegen lesen weniger als eine viertel Stunde täglich. Natürlich müssen die ja auch arbeiten gehen – im Gegensatz zu Rentnern. Wenn wir uns jedoch vor Augen halten, dass wir gleichzeitig durchschnittlich ungefähr 4,5 Stunden jeden Tag für Fernsehen und Online-Streaming verbringen, können wir durchaus nicht behaupten, uns würde die Zeit zum Lesen fehlen.
Die Auswirkungen unserer ständigen Onlinepräsenz, Social Media-Nutzung und unserem Fokus auf Filme und Serien sind deutlich sichtbar. Wir sind super leicht ablenkbar, sich längere Zeit intensiv auf eine Sache zu konzentrieren, fällt uns immer schwerer. Mittlerweile hat selbst ein Goldfisch eine längere Aufmerksamkeitsspanne als wir! Auch ich bin davon betroffen. Immer ist der Kopf irgendwie mit drei Dingen gleichzeitig beschäftigt. Dieses oberflächliche von Einem zum Anderen springen, die Unfähigkeit zur längeren Konzentration und leichte Ablenkbarkeit machen es schwer für uns, zu einem Buch zu greifen. Denn ein Buch ist „langweilig“; das Auge hat nichts Interessantes zu sehen als uniforme schwarze Buchstaben auf Papier. Bücher bieten keine leicht aufnehmbaren Bilder. Stattdessen fordern sie unser Gehirn auf, sich selbst die Bilder entsprechend dem Inhalt zu generieren. Das Leseverständnis nimmt immer mehr ab. Denn obwohl wir faktisch lesen können, verstehen wir doch immer weniger den Sinn hinter dem Gelesenen. Ich merke, wie es heute vor allem Teenagern immer schwerer fällt, einen Text nach dem Lesen in ein bis zwei Sätzen zusammenzufassen. Sie nehmen den Text wahr, aber sie verstehen ihn nicht.
Unsere Mediennutzung macht das Lesen für uns immer schwerer. Gleichzeitig ist Lesen jedoch das beste Gegenmittel für den „kognitiven Verfall“, dem wir durch Smartphones, Social Media etc. ausgesetzt sind. Denn Lesen hilft uns, Informationen zu speichern und abzurufen. Es hilft uns bei Konzentration und diese über eine längere Zeit aufrechtzuerhalten. Außerdem regt es unser Gehirn zur Kreativität und Problemlösung an.
Deshalb will ich dich ermutigen, die Gewohnheit des Lesens neu für dich zu entdecken und zu etablieren! Ich habe mich gefreut, als ich gesehen habe, dass der christliche Verlag „Verbum Medien“ für den Monat April eine „Lese-Challenge“ gestartet hat. Die Herausforderung ist simpel: 10 Minuten pro Tag lesen, 21 Tage am Stück. In dieser Zeit kannst du gut ein 150-Seiten-Buch schaffen. Such dir eine passende Tageszeit, die du dir gut als Lesezeit einrichten kannst. Vielleicht sind es 10 Minuten gleich am Morgen beim Frühstück. Oder am Abend direkt nach dem Abendessen. Oder 10 Minuten vor dem Schlafengehen. Kopple das Lesen mit einer Aktivität, die du sowieso schon jeden Tag tust. Dann wird es dir leichter fallen, daran zu denken. Was sollst du lesen? Lies das, worauf du gerade am meisten Lust hast! Es macht gerade am Anfang wenig Sinn, dich durch ein Buch zu quälen, dass du lesen „solltest“. Der Krimi, auf den du dich freust, hilft dir langfristig beim Aufbauen einer Lesegewohnheit mehr als das geistliche Buch, dass seit Jahren in deinem Regal verstaubt. Das kannst du dir später immer noch vornehmen. Du wirst merken, dass mit der Zeit deine „Aufnahmekapazität“ für Bücher steigt und du irgendwann auch ohne größere Probleme Bücher lesen kannst, mit denen du aktuell noch gar nichts anfangen kannst.
Ich sage, lasst uns anfangen.
PS: Wenn du die Challenge oder Lesen allgemein nicht allein angehen willst, du Leseempfehlungen möchtest und dir der Austausch und die Rechenschaft einer Gruppe gut tun würde, dann melde dich gern bei mir. Vielleicht können wir irgendeine Art „Buchclub“ oder ähnliches starten…